Deutscher Feldbogen-Meistertitel geht an Jona Molz

Stolzer Sieger: Jona (Mitte) eingerahmt von Michael Stumpf und Dennis von Holdt

Mit sensationellen 341 Ringen erzielte er dabei ein Traum-Ergebnis, mit dem er den Zweitplatzierten – den erfahrenen Nationalkader-Schützen Michael Stumpf – ganze 28 Ringe hinter sich ließ. Dabei gestaltete sich der Anfang gar nicht so leicht: „Ich habe zwar anfangs leicht mit den Nerven zu kämpfen gehabt, mich aber ab der 5. Scheibe in einen Flow geschossen, der einfach lief. Nicht ein Fehler den ganzen Tag über“, fasst Jona den Wettkampfverlauf zusammen. Mit etwa 1.500 Pfeilen pro Woche hatte er sich in den letzten vier Wochen akribisch auf die Deutsche Meisterschaft vorbereitet. „Und am Ende sieht man, dass sich Training auszahlt“, freut er sich. 

Mit ihm trat ein weiterer KKB-Schütze bei der Deutschen Meisterschaft Feldbogen an: Mario Vergato in der Klasse Blankbogen Master männlich. Ihm gelang das Kunststück, bei seiner ersten Deutschen Meisterschaft nicht nur besser zu schießen als auf der Landesverbandsmeisterschaft, sondern sich auch gleich im vorderen Drittel zu platzieren: Platz 11 von 41 Teilnehmern. Respekt und Gratulation zu diesem großartigen Debüt!

Ungewohnte Konkurrenz in der Herren-Klasse

Jona bekam es mit Gegnern zu tun, die so gar nicht seiner üblichen Altersklasse entsprachen: Eine Junioren-Klasse gab es nicht – Jona trat mit den Herren an, darunter besagter Michael Stumpf. Ihn kannte Jona von gemeinsamen Trainings und Turnieren. Zuletzt traf er ihn vor fünf Wochen in Scharnitz, wo er ihn bereits hinter sich lassen konnte. Zudem erfolgte die Scheibeneinteilung nach den Qualifikationsergebnissen – alles in allem Voraussetzungen, die Jona gleich zu Beginn zuversichtlich für den Wettkampf stimmten. 

Nach leicht nervösem, aber solidem Start lagen Jona und seine drei Scheibenkameraden zunächst nah beieinander. Dennoch konnte er sich nach und nach eingrooven und die Ergebnisse wurden besser und besser.

Wespen-Attacken und unbedarfte Pilzsucher

Dabei galt es auch Störungen und Unterbrechungen zu meistern. So musste eine Scheibe aus dem Parcours genommen werden, weil eine Schützin dort viermal von Wespen gestochen wurde. Die Scheibe wurde dann schließlich auf dem Einschießplatz nachgeholt. 

Die Jonas Trupp vorangehende Gruppe musste ihren Wettkampf rund 20 Minuten unterbrechen, weil eine Gruppe Passanten – den vielen Schildern zum Trotz – meinte, hinter den Scheiben nach Pilzen suchen zu müssen. Verlorene Pfeilspitzen in den Scheiben ein paar weitere Gruppen voraus gehörten da eher zu den normaleren Ereignissen. „Dieses Turnier muss mit das verrückteste sein, das ich bisher hatte“, zieht Jona Bilanz des Geschehens. 

Die Kunst des Feldbogenschießens

Dennoch hat er sich nicht beirren lassen und weiter Leistung gezeigt. „Die Scheibe stand auf 15 m bekannter Entfernung mit einer 20cm-Auflage und guten 20° Neigung bergab. Nach viel Konzentration, Winkelmessen, dementsprechender Abgriffkorrektur und Richtige-Haltung-Finden habe ich den ersten Schuss leicht übers Gold in die 4 gesetzt. Der zweite war leider nicht sauber geschossen und ging in die 3. Noch mal voll konzentriert konnte ich die allerdings mit einer sauber geschossenen 6 wieder ausgleichen, was die höchste Wertung im Feld ist und bei diesem Ziel einen Durchmesser von 2cm hat“, fasst er seine größte Herausforderung in der Mitte des Parcours zusammen. 

Gegen Ende kamen Jona Michael Stumpf und Rüdiger Schäfer (Blankbogen Master m) entgegen, die ihren Wettbewerb schon beendet hatten und ihre Ergebnisse mitteilten. „Zu dem Zeitpunkt war mir bereits klar, dass ich Michael einholen würde. Rüdigers Ergebnis von 339 habe ich bereits erwartet, da er momentan mit der beste Blankschütze Deutschlands ist. Ich schätze Rüdiger sehr, habe auch mit ihm schon mehrmals Turniere geschossen, trainiert und weiß, wie gut er ist – und bis gestern schien er mir unerreichbar“, beschreibt Jona seine Situation kurz vor Schluss. Das Gedankenkarussell setzt ein – aber halt: noch mal volle Konzentration! 

„Als ich dann noch bei der vorletzten Scheibe auf 5m eine perfekte 18 geschossen habe, kam die Aufregung plötzlich wieder. Mir war klar, dass ich jetzt mit einer guten Passe alles rausholen konnte“, bringt er seine Gedanken auf den Punkt. Und weiter: „Nächste Scheibe auf 40m mit 80er-Auflage geradeaus. Allerdings standen wir total in der Sonne und die Scheibe im Dunklen, was das Zielen deutlich erschwerte. Erster Schuss eine hohe 4. Ok – nochmal zusammengerissen, gewusst, dass ich etwas tiefer zielen musste. Nächster Schuss hat sich gut angefühlt. Habe nicht gesehen, wo er gelandet ist. War mir aber auch egal. Ein letztes Mal noch konzentriert und der war auch nicht schlecht geschossen. Ich schau durch mein Fernglas und kann es nicht glauben: 6 – 6 – 4! Ich hatte es tatsächlich geschafft, in meinem ersten Jahr vom blauen Pflock den gesamten Kader hinter mir zu lassen!“

Vom ganzen KKB: Ganz herzlichen Glückwunsch zu dieser fantastischen Leistung, lieber Jona! 

 

Hintergrund: Feldbogenschießen folgt eigenen Regeln

Ein Feldbogen-Parcours im Freien besteht aus insgesamt 24 Scheiben, wovon 12 in bekannter und 12 in unbekannter Entfernung stehen. Bei den 12 bekannten Scheiben sollen je drei Scheiben mit dem Durchmesser von 20, 40, 60 und 80cm vorkommen, die auf den Distanzen 5, 10 und 15m, 15, 20 und 25m, 30, 35 und 40m und 40, 45 und 50m stehen. Bei den unbekannten ist es etwas anders. Da kann jede Auflagengröße zwischen zwei- und viermal vorkommen und in einem Bereich von 5-10m, 10-20m, 15-30m und 30-45m stehen.